LEDER. WELT. GESCHICHTE. 100 Jahre Deutsches Ledermuseum

Ausstellung vom 16. September 2017 bis 25. Februar 2018

zum Deutschen Ledermuseum

Aufbruch ins romantische Universum: August Wilhelm Schlegel

Ausstellung vom 6. September bis 12. November 2017 im Frankfurter Goethemuseum

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Die Schirn präsentiert: PEACE

gefördert durch die Dr. Marschner Stiftung

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Die Alte Oper Frankfurt bekommt ein neues Pausenfoyer

© AOF, Foto: Wonge Bergmann

Die Alte Oper Frankfurt wird eines ihrer zentralen und am stärksten frequentierten Pausenfoyers im Sommer 2018 neu gestalten. Mit der Konzeption und Umsetzung haben die Alte Oper Frankfurt und das mit der Projektleitung betraute Hochbauamt Frankfurt in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat der Alten Oper sowie den beiden Stiftungen, Dr. Marschner Stiftung und Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, die die Neugestaltung durch ihre großzügige Förderung ermöglichen, das Architekturbüro Jourdan & Müller beauftragt. Ursprünglich für die Theaterferien 2017 angekündigt, erfolgt der Umbau des Foyers in der Ebene 2 des Hauses wegen sehr aufwendiger Planungsvorläufe ein Jahr später, auch dann während der Theaterferien, wodurch der Spielbetrieb unbeeinflusst bleibt.

Entwurf Pausenfoyer Alte Oper ©Jourdan und Müller

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Das Foyer wird nach den Entwürfen von Jourdan & Müller eine gegenüber der jetzigen Raumstruktur offenere, hellere Anmutung haben. Durch künftig in die Wandflächen integrierte Garderoben wird die begehbare Fläche vergrößert, ferner sind die Möglichkeit einer Zweiteilung des Foyers und anderer räumlicher Trennbarkeit sowie großzügige Flächen für mediale Präsentationen vorgesehen. Architekt Nicolai Steinhauser: „Die raumbildende Gestaltung ist eine Aufgabe, mit der wir uns seit langem beschäftigen. Der Herausforderung, an diesem zentralen Ort im Rahmen der Brandschutzsanierung einen Nukleus zu schaffen, der den Anstrengungen der kommenden Jahre einen gestalterischen Rahmen verleiht, begegnen wir mit großem Engagement. Die neue Gestaltung des Pausenfoyers greift die bestehenden Strukturen und Materialien auf und interpretiert diese in neuer Form, dabei verleiht sie dem Raumensemble der Alten Oper in seiner Eigenständigkeit einen neuen Akzent.“

 

Das renommierte Architekturbüro Jourdan & Müller PAS mit Sitz in Frankfurt am Main hat gerade im Bereich des Kulturbaus spezifische Erfahrungen und Kompetenzen. So zeichnete es u.a. verantwortlich für den Neubau der Documenta Halle Kassel, den Neubau des StädelCafés Holbein, für die Sanierung und Erweiterung des Renaissanceschlosses Horst, für den Neubau des Konferenzzentrums der EU am Kirchberg in Luxemburg und für das Kultur- und Tagungszentrum des Haus am Dom in Frankfurt. Das Architekturbüro hat die Umbaupläne des Pausenfoyers der Alten Oper in enger Abstimmung mit der anstehenden BrandschutzSanierung des Hauses konzipiert, mit deren Planung und Umsetzung es bereits betraut ist.

Die Entwürfe der beiden Preisträger des im vergangenen Jahr durchgeführten Architekturwettbewerbs, Buero Wagner (1. Preis) und Zaha Hadid (2. Preis), können aus Kostengründen nicht realisiert werden.

Jährlich kommen rund 475.000 Menschen zu mehr als 450 Veranstaltungen in die Alte Oper Frankfurt. Intendant und Geschäftsführer Dr. Stephan Pauly: „Wir sind sehr glücklich, mit dem renommierten Architekturbüro Jourdan & Müller einen mit der Alten Oper bis ins kleinste Bau-Detail vertrauten Partner zur Konzeption und Durchführung der Neugestaltung unseres Foyers gewonnen zu haben. Der Planungsentwurf entstand in sehr enger Zusammenarbeit mit uns, dem Hochbauamt sowie den für das Brandschutzkonzept zuständigen Firmen. Wir freuen uns schon jetzt auf ein zeitgemäßes, einladendes, großzügigeres und flexibel nutzbares neues Foyer, das sowohl unseren Besuchern als auch unseren Kooperations- und Vertragspartnern nachhaltig zugutekommen wird. Unser besonderer Dank gilt den beiden Frankfurter Stiftungen, Dr. Marschner Stiftung und Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, die durch ihr finanzielles und ideelles Engagement den Umbau überhaupt erst möglich machen.“ Die Stiftungen haben sich für das Projekt zusammengeschlossen und für die Neugestaltung des Foyers eine Spende in Höhe von insgesamt einer Million Euro zur Verfügung gestellt.

Dazu Peter Gatzemeier, Vorstand der Dr. Marschner Stiftung: „Ich freue mich sehr, dass durch die substanzielle Spende unserer eigens hierfür geschmiedeten Stiftungsallianz ein so nachhaltiges Bürgerprojekt realisiert wird. Dass mit dem Umbau ein Frankfurter Architekturbüro betraut wurde, rundet das Projekt im Sinne unserer Stiftungsgrundsätze geradezu perfekt ab.“ York von Lersner, Mitglied der Administration der Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, fügt hinzu: „Dem kann ich mich nur anschließen. Auch wir freuen uns sehr, eine zukunftsorientierte und nachhaltige Maßnahme im kulturellen Bereich zu fördern, indem wir ein Bauprojekt in der Alten Oper und gleichsam im Herzen unserer Heimatstadt ermöglichen.“
Peter Feldmann, Frankfurts Oberbürgermeister und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Alten Oper, sagt: „Die Bürgerinnen und Bürger haben nun einen schönen Grund mehr, in die Alte Oper zu kommen! Ich freue mich sehr über die Neugestaltung des Foyers in der Alten Oper, das nicht nur heller, freundlicher und offener anmuten wird, sondern auch in noch größerem Maße der Multifunktionalität unseres Konzert- und Kongresshauses Rechnung tragen wird.“ Er betont: „Als Oberbürgermeister dieser Stadt bedanke ich mich bei den beiden Frankfurter Stiftungen, Dr. Marschner Stiftung und Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, für ihr vorbildliches bürgerschaftliches Engagement. Mit ihrer substanziellen Spende finanzieren sie ein nachhaltiges Frankfurter Projekt, von dem unsere Bürgerinnen und Bürger über viele Jahre profitieren werden.“

Jil Sander in Frankfurt

Portrait Jil Sander, Marie Claire 1991, Copyright und Foto: Peter Lindbergh

Am 4. November 2017 eröffnet die erste Einzelausstellung von Jil Sander im Museum für Angewandte Kunst.
Die vom Museumsdirektor des Hauses, Matthias Wagner K, in enger Zusammenarbeit mit Jil Sander kuratierte Präsentation macht den Erfindungsreichtum und die kreative Kraft einer der einflussreichsten deutschen Modedesignerinnen sichtbar. Die Dr. Marschner Stiftung freut sich, diese ungewöhnliche Premiere zu fördern: Auf 3.000 Quadratmetern präsentiert sie in raumgreifenden multimedialen Installationen und Tableaus die Auswirkungen ihrer Gestaltungshaltung auf Ästhetik, Material und Form von Mode -und Produktdesign, Architektur und Gartenkunst.

Die Ausstellung ist bis zum 6. Mai 2018 zu sehen.

LEDER.WELT.GESCHICHTE.

100 Jahre Deutsches Ledermuseum

Kofferradio 1950 © DLM

Mit LEDER.WELT.GESCHICHTE. präsentiert das Deutsche Ledermuseum anlässlich seines 100. Geburtstages die zweite Ausstellung im Jubiläumsjahr 2017.

Im Jahre 1917 gründete der Architekt Hugo Eberhardt, damaliger Leiter der Technischen Lehranstalten (später Werkkunstschule, heutige HfG Offenbach), in der florierenden Lederstadt Offenbach am Main das Museum als Sammlung von historischen Vorbildern für die Ausbildung junger Gestalter, Handwerker und Lederwarenproduzenten. Bis heute konnten mehr als 30.000 Objekte aus allen Kulturen und Epochen zusammengetragen werden. Damit ist das Deutsche Ledermuseum die weltweit einzige Einrichtung, die ausschließlich alles rund um das Material Leder und artverwandte Materialien sammelt und präsentiert.

Das Studiojahr Schauspiel – gefördert durch die Dr. Marschner-Stiftung

Copyright: Schauspiel Frankfurt, Foto: Daniel Stier

Im August 2017 startet für acht Studierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK) das Studiojahr am Schauspiel Frankfurt. In der kommenden Spielzeit werden sie Teil des Ensembles sein und gleichzeitig ihr drittes Ausbildungsjahr absolvieren. Möglich ist dies durch die Kooperation von HfMDK und Schauspiel Frankfurt, die in dieser Art einzigartig in Deutschland ist. An keiner anderen Schauspielschule haben die Studierenden die Möglichkeit, als Ensemblemitglied an einem Theater zu spielen, ohne die universitäre Ausbildung zu missen. Meist gerät einer der beiden Bereiche ins Hintertreffen, und man kann sich nur fragen, was einem wichtiger erscheint – die intensive Betreuung am Ausbildungsort oder das Spielen unter Realbedingungen. Im Studiojahr soll sich beides vereinen lassen.
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Für Lisa, Kristin, Vincent, Philippe, Nicolas, Nelly, Christina und Felix heißt das, dass sie in ihrem dritten Ausbildungsjahr in einem hohen Maß professionell arbeiten können. Um zu verhindern, dass sie in den Alltagsmühlen des Theaters aufgerieben werden, gibt es eine klare Struktur. Neben dem Einsatz in Produktionen des Schauspiels erarbeiten die Studierenden einen Liederabend in der Panorama Bar, zwei Klassenzimmer-Stücke und eine Inszenierung mit dem ganzen Jahrgang in den Kammerspielen. Damit übernimmt das Schauspiel Frankfurt beispielhaft Verantwortung für die junge Generation in der Ausbildung. Zwei Mentoren betreuen die »hoffnungsvollen Acht« am Theater, immer in enger Absprache mit dem Ausbildungsteam an der Hochschule. »Wir sind die einzige Ausbildungsinstitution im gesamten deutschsprachigen Raum, die keine eigene Studiobühne hat«, meint die Ausbildungsdirektorin Marion Tiedtke, die nun als stellvertretende Intendantin und Chefdramaturgin ans Schauspiel Frankfurt wechselt. »Trotz hervorragender Vermittlungsquoten fehlt einfach die Spielerfahrung in der Ausbildung. Das Studiojahr stärkt ungemein das Renommee der Hochschule, bietet den Studierenden finanzielle Unterstützung und ein hervorragendes Netzwerk für den Berufseinstieg.«
Aufregend wird es sicher für alle Beteiligten. Wie lässt sich zum Beispiel ein probenfreier Tag in den Theateralltag integrieren? Denn an einem Tag in der Woche müssen die Acht zum Unterricht in die Hochschule – was sicher nicht jeden Regisseur freuen wird. Den Schutzraum der Schule, wo behutsam die spielerische Fähigkeit entwickelt wird, lassen die Acht hinter sich und stellen sich dem Publikum. Mut braucht das, Spielfreude selbstverständlich. Noch ist nicht alles ausgeformt, vielleicht nicht alles so abrufbar wie bei den erfahrenen Kollegen, aber die »hoffnungsvollen Acht« sprühen vor Energie. Nach ihren ersten gemeinsamen Jahren an der Hochschule sind sie ein eingeschworenes Team. Und sie bringen Talente mit, die gar nicht so selbstverständlich sind: Nicht nur, dass sie alle gerne singen, mit Klavier, Mundharmonika, Ukulele, Querflöte, Fagott, Trompete, Saxophon und Schlagzeug ließe sich ein kleines Orchester zusammenstellen.

Ursula Thinnes hat in München Theaterwissenschaft, Komparatistik, Germanistik und Geschichte studiert. Nach Stationen in Chicago, Wien, München, Linz war sie Chefdramaturgin am Theater Konstanz und von 2006 bis 2017 am Saarländischen Staatstheater. Lehraufträge in Germanistik an der Universität Konstanz und an der Universität des Saarlandes. Seit 2017 ist sie Dramaturgin am Schauspiel Frankfurt und neben Isaak Dentler Mentorin für das Studiojahr.

Für die meisten werden es nicht die ersten Auftritte auf einer großen Bühne sein. Einige haben Spielerfahrungen in anderen Kontexten vor ihrer Ausbildung sammeln können, wie zum Beispiel Nelly Politt, die in Wuppertal bei Pina Bausch in Kontakthof« mit Teenagern ab 14 mittanzte. Lisa Eder hat vor der Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule ein Studium der Theaterwissenschaft absolviert. Dass ihr der theoretische »Ballast« im Weg stehen könnte, weist die spielfreudige Münchnerin sofort von sich. Im Gegenteil, meint sie. Aus München kommt auch Vincent Lang, der bevor er sich an der HfMDK bewarb, Improvisationstheater gemacht hat. Sprachbegabt ist der Jahrgang, Nicolas Matthews hat amerikanische Wurzeln, Kristin Unold hat in England gelebt. Christina Theißen ist in Kasachstan geboren und Philippe Ledun ist der Sohn eines französischen Clowns. Auch wenn Philippe sich gegen eine Zirkuslaufbahn entschieden hat, kleine Spuren hat das berufliche Umfeld seines Vaters hinterlassen. Er kann zaubern. Übrigens nicht das einzige verborgene Talent: Felix Vogel hat vor dem Schauspielstudium in einer Sterneküche gearbeitet, vermutlich einer der besten Orte, um stressresistent für das Abenteuer Studiojahr zu werden.

Tanzfestival Rhein-Main vom 16.10 bis 31.10

Copyright: Mousonturm, Foto von Gil Shani

Mit der Tanzplattform Rhein-Main startet ein dreijähriges Kooperationsprojekt zwischen dem Künstlerhaus Mousonturm und dem Hessischen Staatsballett. Erstmals schließen sich ein internationales Produktionshaus und die Tanzsparte zweier Staatstheater zusammen, um vielfältige Produktions-, Aufführungs-, und Vermittlungsformate zu entwickeln. Sie knüpfen dabei an die Erfahrungen des von 2006 bis 2015 am Mousonturm wirkenden Tanzlabors 21 an. Geplant sind neben städteübergreifenden Künstlerresidenzen, unter anderem mobile Tanzproduktionen, die urbane und ländliche Räume jenseits konventioneller Theaterräume erobern und ein gemeinsames Festival, das die Präsentation von regional produzierten Stücken mit internationalen Gastspielen verbindet. Mit den gemeinsamen Angeboten möchten die Kooperationspartner Tanzschaffende und den Tanz in der Region nachhaltig stärken, Akteure und Institutionen im Bereich Tanz regional und überregional miteinander vernetzen und ein breites Publikum für den Tanz im Rhein-Main-Gebiet gewinnen.

Box-Club Nordend Offenbach – Förderung für Kinder und Jugendliche

Copyright: Dr. Marschner Stiftung, Foto: Petra Kappler

Der Box-Club Nordend gehört zu den erfolgreichsten hessischen Boxsportvereinen. Geschäftsführer Bernd Hackfort leitet zudem seit 2013 eine Leistungssportgruppe für Mädchen und junge Frauen. Das neueste Projekt des Vereins – welches von der Dr. Marschner Stiftung gefördert wird – startet direkt nach den Sommerferien und wird speziell jugendliche Schulverweigerer, Mädchen und Jungs, mit und ohne Migrationshintergrund, fördern. Kernaufgabe des Projekts ist die Wiedereingliederung in das Schulsystem – doch dafür wird erst einmal die Stärkung der Sozialkompetenzen der Jugendlichen sowie eine Weiterentwicklung ihrer Persönlichkeit nötig sein. Auf die persönlichen Bedürfnisse der jungen Menschen ist das Vorhaben ebenso angelegt wie auf deren schulische Nachhilfe, es wird Workshops und Ausflüge geben sowie natürlich regelmäßige Sportangebote.

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Ein Gespräch mit Bernd Hackfort, Geschäftsführer des Box-Club Nordend Offenbach und seiner Frau Zdravka Hackfort.
Mitten im Hafengebiet Offenbach befindet sich der BC Nordend, es wird überall gebaut und dies gehört leider zu dem großen Problem des Vereins. Dazu werden mir Bernd Hackfort und seine Frau später noch mehr erzählen. Zum Gespräch empfangen mich beide in den Räumlichkeiten für die Halbtagsbetreuung. Ab dem frühen Nachmittag trudeln hier die Grundschulkinder, die sogenannten Bambinis, ein.
Das Konzept des Box-Club entstand aus dem Boxprojekt Offenbach und hatte primär zum Ziel, überwiegend sozial auffällige Jugendliche bei Entwicklungsprozessen zu unterstützen und ihnen zu ermöglichen, auf Gewalt als Mittel zur Lösung von Konflikten zu verzichten. Durch die Teilnahme am Boxen lernen die Jugendlichen Pünktlichkeit, Disziplin, Respekt und gegenseitige Wertschätzung. Außerdem erleben sie meist zum ersten Mal durch die sportliche Betätigung eine andere Methode ihre Wut und Aggression zu kanalisieren. Das Boxprojekt wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hessischen Jugendarbeitspreis, dem Oddset Zukunftspreis des Hessischen Sports und dem Hanse Merkur Preis für Kinderschutz. Auf dieser Basis wurde der Box-Club Nordend gegründet.
Dann fiel dem Ehepaar Hackfort auf, dass viele Jugendliche im Schlepptau ihrer kleinen Geschwister zum Training kamen, auf die sie aufpassen sollten. So entstand die Idee, mit den Jüngeren eine Halbtagsbetreuung aufzubauen, damit alle sinnvoll beschäftigt waren. Mittlerweile ist die Anzahl der sozialen Begleitprojekte und Aktivitäten des Vereins, der als Beispiel für gelungene Integrationsarbeit gilt, nahezu unüberschaubar geworden. Dazu zählen seit mittlerweile schon 11 Jahren die Hausaufgabenhilfe finanziert vom Förderverein Sicheres Offenbach, die Kinderbetreuung in Kooperation mit dem Förderverein der Goetheschule und der Main-Arbeit Offenbach, die Berufs-, Bildungs- und Bewerbungshilfe, seit sechs Jahren ein Boxtraining in der JVA in Preungesheim als Resozialisierungsmaßnahme, sowie verschiedene Boxprojekte mit dem Jugendbildungswerk der Stadt Offenbach und dem Jugendamt. Wer sich einen genauen Überblick verschaffen möchte, dem empfiehlt sich ein Blick auf die Website des Vereins
Bei all diesen Aktivitäten zählt der Box-Club Nordend zu den erfolgreichsten hessischen Boxsportvereinen. Bernd Hackfort leitet zudem seit 2013 eine Leistungssportgruppe für Mädchen und junge Frauen. Es geht dabei nicht nur darum, sogenannte Problemjugendliche von der Straße zu holen, sondern gezielt Talente zu fördern und ihnen über den Verein einen Familienersatz in der Erziehungshilfe zu bieten. Der Erfolg gibt Bernd Hackfort Recht, die jungen Mädchen ziehen das tägliche Training, verbunden mit der täglichen Hausaufgabenhilfe, diszipliniert durch und haben schon internationale Erfolge vorzuweisen.
Das neueste Projekt – welches von der Dr. Marschner Stiftung gefördert wird – startet direkt nach den Sommerferien und wird speziell jugendliche Schulverweigerer, Mädchen und Jungs, mit und ohne Migrationshintergrund, fördern. Kernaufgabe des Projekts ist die Wiedereingliederung in das Schulsystem – doch dafür wird erst einmal die Stärkung der Sozialkompetenzen der Jugendlichen sowie eine Weiterentwicklung ihrer Persönlichkeit nötig sein. Auf die persönlichen Bedürfnisse der jungen Menschen ist das Vorhaben ebenso angelegt wie auf deren schulische Nachhilfe, es wird Workshops und Ausflüge geben sowie natürlich regelmäßige Sportangebote. Damit und durch intensive Gespräche wird sich das Team des Vereins vier Stunden täglich auf einer persönlichen Ebene mit den Jugendlichen auseinandersetzen. Das schafft Vertrauen – darin sehen die Hackforts den Schlüssel für die Persönlichkeitsbildung Jugendlicher. Herauszuheben ist hierbei die enge Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt Offenbach, welches die einzelnen Teilnehmer direkt in das Projekt vermitteln wird.

Generell ist das riesige Engagement des Ehepaars Motor und Seele des gesamten Vereins, doch bald wird der Box-Club Nordend aus dem Räumlichkeiten ausziehen müssen, die Bagger stehen quasi vor der Tür. Im Moment gibt es noch keine Alternative, die sich der BC  Nordend leisten kann. Frau Hackfort hofft sehr, dass sich bald eine Lösung findet. Sie sorgt sich um ihre Schützlinge. Denn wer kümmert sich dann um die Kinder und Jugendlichen, die hier so gut versorgt und betreut werden? Es wäre wohl als beschämend zu nennen, wenn diese vorbildliche Initiative aufgegeben werden müsste. Wer dem Verein zum Beispiel mit bezahlbaren Räumlichkeiten helfen möchte, kann sich daher direkt telefonisch oder schriftlich an Bernd Hackfort unter b.hackfort@gmx.de wenden.

von Petra Kappler
Juli 2017

Unterstützte Kommunikation an Förderschulen und in der Inklusion

Schülerin Jannika Cremer mit ihrer Mutter und Wolfgang Rawer, Vorstand Dr. Marschner Stiftung © Christoph Schyma

„Unterstützte Kommunikation“ steht für pädagogische und therapeutische Maßnahmen, die eine Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten von Menschen bezwecken, die sich nicht ausreichend über die Lautsprache verständigen können. In der Didaktischen Werkstatt im Fachbereich 4 der Goethe-Universität Frankfurt wurde in diesem Zusammenhang ein Praxisprojekt aufgelegt, an dem Studierende des Lehramts an Förderschulen teilnehmen können. Die zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts begleiten und fördern über ein Schuljahr unterstützt kommunizierende Schülerinnen und Schüler im Klassenunterricht sowie in der Einzelförderung.

 

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In den Förderschwerpunkten „geistige“ beziehungsweise „körperliche und motorische Entwicklung“ ist die Unterstützte Kommunikation eine wichtige Querschnittsaufgabe. Die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler ist – um in den Dialog zu kommen und vom Unterricht zu partizipieren – auf Hilfe angewiesen.

Die Dr. Marschner Stiftung freut sich, neun Plätze an insgesamt acht Frankfurter und Offenbacher Schulen zu unterstützen. Das Projekt lebt unter anderem von der Vielfältigkeit der Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern. Manche der jungen Menschen werden dabei noch lernen, was sie durch Kommunikation bewirken und wie sie mit Kommunikationshilfen (Sprachausgabegeräte, Gebärden oder Bildsymbole) in den Dialog kommen können. Geübte können nahezu alles, was sie sagen wollen, mit Hilfe eines Sprachcomputers ausdrücken, welcher im konkreten Fall mit den Augen gesteuert wird.

Im Großen und Ganzen geht es darum, Situationen im Unterricht so zu gestalten, dass die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen wirkungsvoller einbringen können. Die Vermeidung von Missverständnissen ist ein weiteres Ziel der Unterstützten Kommunikation. Bislang zeigt sich insgesamt, dass das Projekt durch die intensiven Lernerfahrungen der Teilnehmenden und die kontinuierliche Arbeit der Studierenden sehr erfolgreich ist und auf große Resonanz trifft.

Das UK-Praxisprojekt wird vom Staatlichen Schulamt für den Landkreis Offenbach und der Stadt Offenbach am Main sowie seit 2015 durch die Dr. Marschner Stiftung gefördert.

Lesetaskforce der Didaktischen Werkstatt

© Didaktische Werkstatt, Universität Frankfurt

Die Lesetaskforce ist ein langjährig gefördertes Praxisprojekt der Dr. Marschner-Stiftung. Die Initiative ist eingebettet in die Arbeitsstelle für Diversität und Unterrichtsentwicklung- Didaktische Werkstatt des Fachbereichs Erziehungswissenschaften der Universität in Frankfurt und wird verantwortet von Herrn Prof. Dr. Mehlem, Frau Suntheim und Frau Dr. Böhm.

zum Interview "Fördern will gelernt sein"

Fördern will gelernt sein…

von Petra Kappler

Ein Gespräch mit Herrn Prof. Dr. Mehlem, Frau Suntheim und Frau Dr. Böhm, das verantwortliche Team der LeseTaskforce, ein langjährig gefördertes Praxisprojekt der Dr. Marschner-Stiftung. Die Initiative ist eingebettet in die Arbeitsstelle für Diversität und Unterrichtsentwicklung- Didaktische Werkstatt des Fachbereichs Erziehungswissenschaften der Universität in Frankfurt am Main. Das Team empfängt mich in den hellen Projekträumen der Didaktischen Werkstatt, in denen sowohl Seminare als auch Fortbildungsveranstaltungen stattfinden und die den Studierenden zum eigenständigen Arbeiten zur Verfügung stehen. Die Räume vermitteln sofort den Eindruck von positiver Arbeitsatmosphäre, es findet sich viel Literatur und Materialien zur Unterrichtsgestaltung. Frau Suntheim erklärt mir, dass die Didaktische Werkstatt Beratung für verschiedene Schulstufen anbietet. So können die Studierenden während der Öffnungszeiten Unterrichts-, Diagnose- und Fördermaterial sichten und erproben, sowie Literatur zu Themen wie Inklusion, Schulentwicklung, Fachdidaktik usw. recherchieren. Schwerpunkt ist der Umgang mit Heterogenität in der Grundschule und in der Sekundarstufe sowie die verschiedenen pädagogischen Praxisprojekte. Auf den Begriff Heterogenität werden wir im Gespräch immer wieder kommen. „Arbeitsstelle für Diversität und Unterrichtsentwicklung – Didaktische Werkstatt“ umfasst dies sehr treffend – doch was kann man sich darunter konkret vorstellen? Zunächst ist die „Didaktische Werkstatt eine Einrichtung des Fachbereichs Erziehungswissenschaften in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zur Professionalisierung von Studierenden, Lehrkräften und Lehrkräften im Vorbereitungsdienst im Umgang mit Heterogenität zu leisten und versteht sich als ein Bindeglied zwischen den Phasen der Lehrerbildung“. So liest es sich auf der Website. Mich interessiert zunächst, wie die Professionalisierung aussehen kann. Dafür stehen den Studierenden eine Vielzahl an Möglichkeiten und Werkzeugen zur Verfügung. Lehrkräfte finden ein umfangreiches Fortbildungsangebot. Im Februar 2017 fand zudem ein Fachgespräch mit dem Titel „Buchstabierst du noch oder liest du schon? statt. Dieses stand in enger Verbindung mit den Praxisprojekten Leseförderung (LeseTaskforce) und Alphabetisierung (AlphAlif) in der Grundschule. Die LeseTaskforce ist eines der Projekte, welches die Dr. Marschner-Stiftung von Anbeginn kontinuierlich fördert. Zugleich wird das Projekt AlphAlif im Zuge der wachsenden Zahl von Kindern mit arabischer Muttersprache einen erhöhten Förderbedarf haben. Hier kommt besonders stark der Aspekt der Heterogenität zum Tragen. Frau Dr. Böhm erklärt mir, dass gerade bei den Grundschülern mitunter große Differenzen herrschen, was die Sprachkompetenz der Kinder angeht. Manche waren nie in der Schule, anderen haben basale und wieder andere ausgezeichnete Kenntnisse im Lesen und Schreiben. Diese enorme Diversität stellt eine der besonderen Herausforderungen des Praxisprojektes AlphAlif dar. Gerade die im Projekt eingebundenen Studierenden sehen sich damit konfrontiert. Neben den geforderten pädagogischen und fachlichen Eignungen kommen hier noch idealerweise Grundkenntnisse der arabischen Sprache hinzu. Der Umgang mit heterogenen Lernvoraussetzungen – gerade im Schriftspracherwerb –  von Schülerinnen und Schülern gehört also zum Alltag in den Projekten. Schnell sind wir im Gespräch bei der aktuellen Schuldebatte, vor allem, welche Reformen und Schulformen den Bedürfnissen von Heterogenität, Diversität und Inklusion gerecht werden. Diskutiert werden viele Modelle, wie zum Beispiel das Schulsystem in den nordischen Ländern, wo es eine gemeinsame neunjährige Schulzeit gibt. Wie steht es mit einer Anwesenheitspflicht bis 16.00 Uhr an den Schulen für Lehrkräfte? In dem lebhaften Gespräch wird deutlich, dass sich viele Lehrerinnen und Lehrer mit den stetig wachsenden Anforderungen an sie überfordert fühlen. Daher ist ein Ansatz der Arbeit um das Team von Professor Mehlem, Heterogenität als Ressource zu begreifen. Alle sind sich einig, dass es ein pädagogisches Gesamtkonzept für alle Ebenen, Systeme und Akteure braucht, um den steigenden Anforderungen in den Schulen gerecht zu werden. Die Professionalisierung von Studierenden in den Praxisprojekten LeseTaskforce und AlphaAlif leistet dafür wertvolle und elementare Arbeit. Davon profitieren langfristig alle Beteiligten, die Lehrkräfte und vor allem die Kinder.

15 Jahre Kinderuni – die Dr. Marschner-Stiftung gratuliert!

Copyright: Kinderuni Frankfurt

Jedes Jahr kurz vor Beginn des Wintersemesters steht die Goethe-Uni Kopf: In großen Pulks nähern sich Schülergruppen dem Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend, aufgeregt redend, rufend, kaum in Zaum zu halten von ihren Lehrern und Begleitpersonen. Dann ist wieder Frankfurter Kinder-Uni, und die Mitarbeiterinnen der Abteilung Public Relations und Kommunikation haben wieder ein umfangreiches „Kinderprogramm“ auf die Beine gestellt: „Echte“ Professoren aus verschiedenen Fachbereichen der Goethe-Universität strengen sich an, um ihren Forschungsbereich kindgerecht rüberzubringen.
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Für sie eine durchaus anspruchsvolle Tätigkeit: Vormittags halten sie ihre Kinder-Uni-Vorlesung, zweimal nacheinander jeweils vor angemeldeten Schulklassen, am Nachmittag noch einmal für private Besucher. Vom Atom bis zur Sternenfahrt, vom Codex Hammurabi bis zu den Gefahren des Internets reichen die Themen.
Mit jährlich rund 13.000 jungen Besuchern zählt die Frankfurter Kinder-Uni zu den größten Kinder-Veranstaltungen an deutschen Hochschulen. Die Veranstalter haben stets das Ziel vor Augen, Acht- bis Zwölfjährigen aller Schulformen und damit aller Bildungsschichten einen ersten Kontakt mit der Universität zu ermöglichen. Dabei geht es nicht nur um das sicher herausragende Erlebnis, zusammen mit mehr als 1000 Kindern an einer interaktiven und altersgerechten Vorlesung im Audimax teilzunehmen; ein wichtiges Anliegen ist auch, die noch jungen Schüler Uni-Luft schnuppern zu lassen, indem sie den Campus kennenlernen und wie „richtige“ Studierende in der Mensa essen. Auf diese Weise werden Schwellenängste von vornherein niedrig gehalten. Die Veranstaltung ist bewusst nicht auf Hochbegabte zugeschnitten, die natürlich auch willkommen sind.
Die Wissenschaftler lassen sich mit Engagement und Ideenreichtum auf dieses ungewohnte Format ein und vermitteln, orientiert an der Vorstellungswelt der Kinder, Wissen auf anschauliche Weise. Auch brisante Themen waren schon dabei. So stand 2014 die Vorlesung „Was Gewalt in der Familie für Folgen haben kann“ von Prof. Ferdinand Sutterlütty auf der Agenda. 2013 nahm der Rechtswissenschaftler Dr. Felix Hanschmann die Zuhörer mit auf eine Reise von Afrika nach Frankfurt und stellte die provokante Frage: „Gibt es Kinder ohne Rechte?“. Die Wissenschaftler stehen den Kindern in begrenztem Rahmen auch nach der Vorlesung Rede und Antwort.
Die Zielgruppe der Acht- bis Zwölfjährigen wurde ausgewählt, weil in diesem Alter zwischen Einschulung und Pubertät die Fragen nachhaltiger werden, die Kinder lassen sich nicht mehr mit einfachen Antworten abspeisen. Der Wissensdurst ist in diesem Alter besonders groß, der Scheu vor Experten noch gering. Vor allem gilt es unter Gleichaltrigen noch nicht als uncool, Fragen zu stellen, sich zu engagieren und Interesse zu zeigen.
In diesem Jahr findet die Kinder-Uni bereits zum 15. Mal statt, zum dritten Mal mit finanzieller Unterstützung der Dr. Marschner-Stiftung. „Die Dr. Marschner Stiftung begeistert an dem Konzept der Frankfurter Kinder-Uni besonders, dass es gelingt, Frankfurter Schülerinnen und Schülern aller Bildungsschichten einen ersten Kontakt mit der Universität zu ermöglichen“, betont Peter Gatzemeier, Vorstand der Stiftung. Auch 2017 erwarten die neugierigen Besucher spannende Themen: Der Rechtswissenschaftler Prof. Matthias Jahn wird mit seinen Studierenden dem Rumpelstilzchen strafrechtlich auf den Zahn fühlen. Kunsthistoriker Prof. Jochen Sander erklärt, wie man mit Hilfe modernster Technik die Entstehungsgeschichte von Gemälden erforschen kann. In die Geheimnisse der Bienenkunde führt der Biochemiker Prof. Bernd Grünewald ein, der zugleich das Institut für Bienenkunde leitet. Und wie Beamen und Zeitreisen im Film aus physikalischer Sicht zu beurteilen sind, darüber spricht der Phyiker Dr. Sascha Vogel.

Copyright aller Fotos der obigen Bildergalerie: Kinderuni Frankfurt

10 Jahre Sommerwerkstatt am alten Flughafen Bonames

Copyright: Aeronauten Frankfurt

Wieder können Familien in den Sommerferien gemeinsam bauen und experimentieren. Die Themen gehen vom Ort selbst und seiner Nutzung aus. Physik und Technik werden anschaulich, es geht um die Sonne und die Nidda, die Vielfalt der Pflanzen auf kleinem Raum, um das Besondere, das den Alten Flugplatz so einzigartig macht. Kreativität, Teamarbeit und Forschergeist sind gefragt. Die Fachkräfte der Aeronauten-Werkstatt im GrünGürtel und der Naturschule Hessen gGmbH geben den Rahmen, Anregungen und handwerkliche Unterstützung. Es gibt keine festen Anfangszeiten und keine Anmeldepflicht.

Copyright: Aeronauten Frankfurt

Patenschaft für Therapiepferd Finn

Copyright: Petra Kappler

Große Freude auf dem Hof für Therapeutisches Reiten: die Dr. Marschner Stiftung übernimmt für drei Jahr eine Patenschaft für das Therapiepferd Finn. Kerstin Illing (im Bild links) ist verantwortlich für den Hof und freut sich sehr über die Unterstützung. Das Projekt hilft Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf. Wer den Hof und die Arbeit des Therapiezentrums näher kennenlernen möchte, ist herzlich zum Hoffest am 24. September von 11.00 bis 15.00 Uhr eingeladen!

zum Interview "Kinder haben bei uns Primetime"

Kinder haben bei uns Primetime von Petra Kappler

Ein Gespräch mit Kerstin Illing, Kinderförderzentrum für Therapeutisches Reiten in Frankfurt-Kalbach. Zum Gespräch empfängt mich Kerstin Illing in Begleitung ihrer Werkstudentin Sarah Rudolph. Die studierte Betriebswirtin hat lange international für eine große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gearbeitet – mit Pferden kennt sie sich zudem bestens aus, führt sie doch erfolgreich ein Unternehmen, das weltweit Sportpferde an Profis verkauft. Zur Leitung des Hofes kam sie „wie die Jungfrau zum Kind“. Sie half spontan einer Freundin, die das Projekt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiterführen konnte. Auf dem wunderbar gelegenen Reiterhof in Frankfurt-Kalbach mit perfekter Anbindung werden über 200 Kinder pro Woche in verschiedenen Therapien mit dem Pferd gefördert. Das Therapeutische Reiten ist seit 1970 ein wichtiger und zentraler Bestandteil des Förderprogramms des Vereins zur Förderung der Integration, kurz VzF. „Die Kinder haben auf dem Hof Primetime“ betont Kerstin Illing, „der restliche Reitbetrieb wird um diese Kernzeiten am Nachmittag gelegt.“ Hier werden die Prioritäten gleich klar: das Therapiezentrum ist voll und ganz auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen eingestellt.  Sie sind hier die Hauptpersonen, keine geduldete Randgruppe. Darauf wird hier großen Wert gelegt, und ist gelebte Philosophie des Vereins. Dazu erfahre ich mehr bei unserem Rundgang über die Reitanlage. Es gibt unterschiedliche Angebote für Kinder mit Einschränkungen und Benachteiligungen, angefangen von der Hippotherapie, über das Angebot Hippo Fit bis hin zur heilpädagogischen Förderung, die einzeln und in Gruppen durchgeführt wird. Die Kinder werden hinsichtlich ihres Förderbedarfs, ihrer Einschränkungen und Fähigkeiten individuell in den verschiedenen Therapien betreut. Das Reiten tut nicht nur den Kindern sichtlich gut – es bedeutet auch für die Eltern eine kleine Auszeit und durchaus Entlastung, wenn sie einmal nicht in der Verantwortung stehen müssen und sich einfach wohl fühlen dürfen auf dem Hof, einen Kaffee trinken oder sich mit anderen Betroffenen austauschen. Das Loslassen an die Therapeutinnen funktioniert sehr gut, es herrscht ein vertrauensvolles Verhältnis untereinander. Insgesamt herrscht ein respektvoller Umgang, gute Stimmung ist Kerstin Illing wichtig, von Druck – gleich welcher Art – hält sie nicht viel. Das erfolgreiche Konzept hat sich herumgesprochen, die Therapien haben zurzeit leider eine lange Warteliste, denn insgesamt ist der Bedarf von zu fördernden Kindern größer, als die Kapazitäten es hergeben. Denn Therapeutisches Reiten wirkt in mehrfacher Hinsicht. Zum einen ist es eine spezielle Therapieform, die zur Verbesserung und Linderung psychosozialer Probleme und Störungen eingesetzt wird. Zugleich kommt es zur Anwendung bei der Behandlung körperlicher Behinderungen. Eine günstige Beein¬flussung und gezielte Förderung der geistigen, sozialen und körperlichen Entwicklung ist eines der primären Ziele der Arbeit mit den Tieren. Mir wird erklärt, dass Reiten zu den wenigen Sportarten, die Menschen mit Behinderung und ohne Behinderung gemeinsam ausüben können, gehört. Auf dem Hof wird Heterogenität als Ressource begriffen, das ist ein spannender und integrativer Ansatz, der voll aufgeht. Kerstin Illing hat sich drei Monate Klausur zu Beginn Ihrer Übernahme ohne Einflüsse oder Ratschläge von außen erbeten. Und dann das gesamte Projekt angeschaut und neu aufgestellt. Ihr Tatendrang und Organisationsgeschick zeigen sich überall auf dem Gelände und es ist dem Projekt zu wünschen, dass sich weitere Förderer finden, die das Therapeutische Reiten unterstützen. Kerstin Illing berät da gerne.

Frankfurter „Schuljahr der Nachhaltigkeit“ feiert auf der Hauptwache

© Bernd Hartung

Sprühend vor Kreativität haben sich 400 Kinder mit unseren brennenden Zukunftsthemen auseinandergesetzt, und das konnten alle Frankfurterinnen und Frankfurter bei der großen Feierstunde zum Abschluss des „Schuljahres der Nachhaltigkeit“ sehen: Bunte Kreide-Graffiti zierten den Gehweg rund um die Hauptwache und machten viele Passanten darauf aufmerksam, was sie selbst für eine nachhaltige Entwicklung tun können. Die Schülerinnen und Schüler präsentierten damit ihre Themen, die sie während des vergangenen „Schuljahres der Nachhaltigkeit“ im Unterricht bearbeitet haben. Es geht um Klimaschutz und Energie, Mobilität und Recycling, Ernährung und globale Gerechtigkeit. Die Dr. Marschner Stiftung freut sich, dieses Vorzeigeprojekt seit vielen Jahren zu fördern.

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700 Kinder aus 11 Frankfurter Schulen durften ein Jahr lang teilnehmen am fünften Durchlauf des Programms „Schuljahr der Nachhaltigkeit“ 2016/2017. Zur feierlichen Verleihung ihrer erworbenen Nachhaltigkeitsdiplome sind 400 Schülerinnen und Schüler auf die Hauptwache gekommen. Oberbürgermeister Peter Feldmann begrüßte seine jungen Gäste zu einer bunten Feier: „Dieses tolle Programm ist etwas Besonderes in Frankfurt. Elf Schulen konnten in diesem Jahr teilnehmen. Und Ihr wart dabei! Schön, dass Ihr da seid.“ Mit ihrem „Nachhaltigkeits-Kreide-Graffiti“ zeigen die Kinder zusammen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern, wie intensiv sie sich mit den Zukunftsthemen und ihren Handlungsmöglichkeiten im Alltag auseinandergesetzt haben. Zum Beispiel wissen sie, wie sie beim Pausenbrot Abfall vermeiden können und kennen den ökologischen Rucksack des Recyclingpapiers. Ihnen ist klar, dass man das Klima schützt, wenn man viel Fahrrad fährt und energiesparend heizt. Und sie erkennen beim Einkauf fair gehandelte Waren. „Wir haben Recycling-Papier aus Altpapier hergestellt“, berichtet Tidiane von der Pestalozzischule im Riederwald. „Das sollte jeder machen“, rät der Zehnjährige und freut sich, dass nun auch in der Familie mehr auf Klimaschutz geachtet wird. Oberbürgermeister Feldmann lenkt den Blick auf die Aktivitäten an den Schulen: „Ihr habt Ideen entwickelt, damit es an Euren Schulen ´nachhaltiger´ zugeht. Als Energiespardetektive wart Ihr unterwegs und habt aufgedeckt, wo im Schulbetrieb Energie verloren geht. Ihr habt Mülltrennung in Euren Klassen betrieben, Spielzeug-Tausch-Börsen durchgeführt und ein `faires Frühstück` auf den Tisch gebracht. Als Oberbürgermeister bin ich stolz auf Eure Aktivitäten. Vielen Dank für den Einsatz. Ihr bereichert das Frankfurter Schulleben “, beschrieb Feldmann das vergangene „Schuljahr der Nachhaltigkeit“ und dankte sowohl den Lehrkräften und Schulen als auch dem Verein Umweltlernen in Frankfurt sowie den Unterstützern wie der Dr. Marschner Stiftung, der FES und dem Energiereferat.  Umweltlernen in Frankfurt e.V. hat das „Schuljahr der Nachhaltigkeit“ entwickelt und führt es nun bereits zum fünften Mal mit Frankfurter Grundschulen durch. Gefördert wird das Frankfurter Leuchtturmprojekt „Schuljahr der Nachhaltigkeit“ von der Dr. Marschner Stiftung, dem Unternehmen FES und dem Energiereferat. Das Umweltamt sowie Stadtschulamt und Staatliches Schulamt Frankfurt unterstützen das Programm. „Je früher sich die Kinder mit den Themen  Klimaschutz und Energie auseinander setzen, umso leichter fällt es ihnen, sich klimafreundlich zu verhalten“, sagt Wiebke Fiebig, Leiterin des Energiereferats der Stadt Frankfurt am Main. Das kann Mareike Beiersdorf vom Verein Umweltlernen nur bestätigen. Sie leitet das Projekt in Frankfurt und stellt fest: „Die Frankfurter Bildungslandschaft ist seit vielen Jahren in Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) richtungweisend.  Das „Schuljahr der Nachhaltigkeit“ ist so erfolgreich, dass es nicht auf Frankfurt beschränkt bleibt!“ Denn aufgrund seines innovativen Charakters wurde es in die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Hessen aufgenommen und wird nun über Frankfurt hinaus in fünf weiteren Kommunen Hessens durchgeführt. Nach den Ferien startet in Frankfurt bereits der sechste Durchgang des erfolgreichen Leuchtturmprojekts.

PEACE ab 1. Juli in der Schirn

100OTHER FIBRES, © Heather Phillipson

AUSSTELLUNG BIS 24. SEPTEMBER 2017
Tauben, Regenbogenfarben und mit Blumen geschmückte Gewehre: Die Darstellung von Frieden reduziert sich meist auf gängige Klischees und bekannte Symbolik. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt geht in einer diskursiven Gruppenausstellung einen anderen Weg und stellt vielmehr die Frage: Wie geht Frieden eigentlich?

Ausgehend von der Tatsache, dass Frieden in Interaktion und Kommunikation zwischen Menschen und allen im Ökosystem existierenden Akteuren deutlich wird, richtet die Ausstellung den Blick auf Aspekte, die das (Zusammen-)Leben des Menschen seit jeher sichern und ermöglichen, etwa Wasser, Tiere, Pflanzen, Sprache oder Geschenkökonomie.
Zahlreiche Arbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler, unter anderem von Pia Camil, Jan de Cock, Minerva Cuevas, Ed Fornieles, Surasi Kusolwong, Isabel Lewis, Lee Mingwei, Katja Novitskova, Agnieszka Polska und Timur Si-Qin, bieten eine neue, zeitgenössische Perspektive auf dieses Thema. Dabei werden auch die aktuelle Umgestaltung des humanistischen Weltbildes und ihre Einflüsse auf Mensch-Natur-Zusammenhänge eine wesentliche Rolle spielen.

 I am the Mouth, © Agnieszka Polska

Kolleg Schöne Aussicht

Güner Yasemin Balci © Literaturhaus Frankfurt

Im Jahr 2011 verwirklichte das Literaturhaus Frankfurt mit der Dr. Marschner-Stiftung ein bis dahin in der bundesweiten Literaturszene einmaliges Vorhaben. Die Idee war, für Lehrerinnen und Lehrer ein neues Format – kein Fortbildungsprogramm – zu kreieren, welches mit überraschenden und inspirierenden Akzenten überzeugte.

 

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Es entstand ein monatliches Angebot, welches mit unterschiedlichen Formaten wie Workshops mit Autorinnen und Autoren, Exkursionen, Expertengespräche, Wunschlesungen, aber auch Überraschungsbesuchen im Unterricht und Tagungen arbeitet.
Das KOLLEG SCHÖNE AUSSICHT war geboren! Dieses einmalige Projekt begleitet nun schon im sechsten Jahr seines Bestehens Lehrerinnen und Lehrer aller Fächer, Stufen und Schulformen aus Frankfurt, Offenbach und der Region.
Das Kolleg SCHÖNE AUSSICHT ist ein Projekt, mit dem das Literaturhaus Frankfurt sich als Plattform für ein breites Spektrum gesellschaftlicher Fragestellungen behauptet. Gleichzeitig bildet das Kolleg ab, welchen Herausforderungen sich unser Bildungsapparat stellen muss, dies aber aufgrund seiner Struktur nur sehr verzögert leisten kann. Das Literaturhaus kommt diesen Bedarf mit dem KOLLEG nach und schafft kreative und inhaltliche Impulse in Verbindung mit persönlichen Austausch und verbindlicher Ansprache.

Das Kolleg Schöne Aussicht ist für mich ein wunderbarer Ort, an dem meine Lehrerseele durch die vielfältigen, immer anregenden Veranstaltungen eine Erweiterung ihres Horizonts bekommt. Damit legt es eine Grundlage für die wahre Bildung, gegenüber der manche herkömmliche Fortbildungsveranstaltung mit ihrer pädagogischen Verzwecktheit eben wie Fort-Bildung wirkt. J. Schieb

Musikmobil

© Wolfgang Furhmannek

Mit diesem rollenden Musikzimmer geht man in Frankfurt seit 2011 neue Wege in Sachen Musikpädagogik. Eine große Auswahl an Orchesterinstrumenten findet so den Weg zu den Schulen, Kitas und damit zu den Kindern, die sonst keine oder geringe Möglichkeiten haben, Instrumente einmal anzufassen und auszuprobieren – und sich so für das Musizieren zu begeistern.
So ist das Musikmobil ist vor allem ein innovativer Baustein im Gebäude der Frankfurter Musikpädagogik.

alle Fotos der obigen Bildergalerie © Wolfgang Furhmannek

Die MINISCHIRN – so beliebt wie nie

© Schirn Kunsthalle Frankfurt, Foto: Norbert Miguletz

In der Schirn Kunsthalle Frankfurt gibt es seit Dezember 2014 einen kreativen Erlebnis- und Erfahrungsraum für Kinder ab drei Jahren bis ins Grundschulalter: die MINISCHIRN. Mit dieser innovativen Dauerinstallation zu den Themenfeldern Farbe, Form und Struktur bietet die Frankfurter Kulturinstitution ihren jüngsten Besuchern einen außergewöhnlichen Spiel- und Lernparcours. Im ersten halben Jahr seit ihrer Eröffnung zog die MINISCHIRN bereits über 10 000 Kinder an. Zum einen ist der Parcours stark von Kita-, und Grundschulgruppen aus Frankfurt und dem Rhein-MainGebiet frequentiert. Zum anderen gehen viele Kinder selbstbestimmt auf Entdeckungstour in der MINISCHIRN während ihre Eltern konzentriert und entspannt die laufenden Ausstellungen besuchen. Für diese Kinder ist der Eintritt frei. Unter der Aufsicht von geschultem pädagogischem Vermittlungspersonal bietet die MINISCHIRN eine anregende Umgebung, in der sich die Kinder bewusst ohne ihre Eltern oder erwachsene Begleitpersonen selbstbestimmt bewegen können. Mit dem Konzept der MINISCHIRN unterstreicht die Kunsthalle ihre Vorreiterrolle in der Bildungs- und Vermittlungsarbeit für Kinder und Jugendliche und präsentiert sich als lebendige Kulturinstitution für ein breitgefächertes Publikum.
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Auf insgesamt über 100 m² bilden verschiedene Rauminszenierungen und Experimentierstationen in der MINISCHIRN den Rahmen für eine spielerische Expedition durch die Themenfelder ästhetischer Wahrnehmung. Die kunstpädagogische Abteilung der Schirn hat in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Agentur für Kommunikation im Raum Atelier Markgraph eine dynamische Architektur entwickelt, die an Baumhäuser erinnert und die strengen Linien in den Räumen der ehemaligen Buchhandlung der Kunsthalle aufbricht, aber dennoch in ihrer Klarheit die Formensprache des Gebäudes widerspiegelt. Die MINISCHIRN hat bereits zahlreiche renommierte Preise erhalten, den ADC Award für Deutschland 2015, den Red Dot Award 2015, den FAMAB Award 2015 (Silber), den Comm Award 2015 (Gold) und jüngst die Auszeichnung Special Mention des German Design Award 2016.

Der Bau der MINISCHIRN wurde maßgeblich gefördert durch die Dr. Marschner Stiftung.

Dr. Marschner Saal im Ledermuseum

© Deutsches Ledermuseum Offenbach

Anlässlich der Ausstellung „Leder – Begleiter durchs Leben“, die im Juli 2016 im Deutschen Ledermuseum eröffnet worden ist, wurde ein Raum im Museum neu gestaltet. Die darin befindliche, entkernte Großraumvitrine konnte dank der Dr. Marschner-Stiftung mit objektschonender LED-Beleuchtung ausgestattet werden. Auch 2017, indem das Haus sein 100-jähriges Jubiläum feiert, wird mit einer großzügigen Unterstützung der Stiftung ein weiterer Ausstellungssaal mit diesem Lichtsystem gestaltet.

Psychoonkologie im Ketteler Krankenhaus

© Ketteler Krankenhaus

Für jeden von Krebs betroffenen Menschen stellt sich vor allem die Frage, wie das Leben jetzt weitergeht. Diese Frage ist eine der ersten von vielen, da bei einer solchen Diagnose nicht nur der Körper, sondern auch die Seele in einen Ausnahmezustand geraten. Dieser Ausnahmezustand betrifft nicht nur die Betroffenen selbst – sondern ebenso die Angehörigen und den Freundeskreis.
zum Interview "Mal wieder durchatmen können"

Mal wieder Durchatmen können …
von Petra Kappler
Ein Gespräch mit Frau Dr. med. Staib-Sebler, Frau Klee und Frau Schulmerich vom Psychoonkologischen Dienst im Ketteler Krankenhaus in Offenbach am Main Die drei Fachfrauen empfangen mich mit Espresso und guter Laune.
Frau Dr. Elsbeth Staib-Sebler, Oberärztin der Viszeral- und Allgemeinchirurgie und Psychotherapeutin/Psychoonkologin, sowie Frau Constanze Klee, Psychoonkologin und Frau Petra Schulmerich, Palliativkoordinatorin gehören dem Team an, welches mittlerweile über
die Stadtgrenzen hinaus für seine herausragende Arbeit bekannt ist. Die Vierte im Bunde, Frau Dr. med. Giovanna Römer, Leiterin der Chirurgisch-Onkologischen Ambulanz und Psychotherapeutin/Psychoonkologin, ist zu diesem Termin leider nicht mit anwesend.
Wir sprechen über ein naturgemäß sensibles Thema, das vor allem Frau Dr. Staib-Sebler anschaulich für Außenstehende erläutern kann.
Voraussetzung für den Einsatz des Dienstes ist, dass jede Patientin und jeder Patient in Zusammenhang mit der Betreuung in den onkologischen Kompetenzzentren des Ketteler Krankenhauses Anspruch auf eine ausführliche, psychoonkologische Beratung und
Begleitung hat. Diese kann man sowohl stationär, als auch ambulant in Anspruch nehmen. Für jeden von Krebs betroffenen Menschen stellt sich vor allem die Frage, wie das Leben jetzt weitergeht. Diese Frage ist eine der ersten von vielen, da bei einer solchen Diagnose
nicht nur der Körper, sondern auch die Seele in einen Ausnahmezustand geraten. Dieser Ausnahmezustand, so erklärt mir das Team, betrifft nicht nur die Betroffenen selbst, sondern ebenso die Angehörigen und den Freundeskreis. Dabei zählt es zu den Aufgaben der Expertinnen, sogenannte Ressourcen für die Erkrankten zu benennen und zu aktivieren. Welche Unterstützung gibt es? Wer kann helfen? Wem vertraut die betroffene Person? Elementar ist es weiterhin, ein Netz zu spannen, welches die Patientinnen und Patienten
während der Bewältigung der Krankheit auffangen kann. Man begreift, dass ein Großteil der Arbeit darin besteht, die komplexen Prozesse zu begleiten, die sich unter Einfluss der Krebserkrankung beständig verändern. Wichtig ist vor allem, dass den Kranken mit Ruhe, Zeit und Fachwissen begegnet wird. Großen Wert wird auf die sensible Beantwortung persönlicher Fragen und die Wahrnehmung von Ängsten gelegt. Kranke brauchen ein ehrliches und zugewandtes Gegenüber. Ein „Das wird schon wieder!“ hilft den Betroffenen wenig, sie können dadurch ihre Ängste nicht artikulieren und haben einmal mehr das Gefühl, sich zusammenreißen zu
müssen, stark zu ein, auch für die Angehörigen.
Frau Klee bezeichnet dies als „die Positivkeule“, eine Überforderung für die Erkrankten, die zugleich verhindert, „Negatives“ wie Ängste, Zweifel und Trauer zuzulassen. Emotionen, die jedoch für die Bewältigung der Situation genauso wichtig sind. Insbesondere der Umgang mit der Angst gehört zu den basalen Aufgaben der Psychoonkologie. Die Gespräche dienen also auch dazu, die Angst anzuerkennen und damit umzugehen. Auch irrationale Ängste sind sehr häufig festzustellen, bei denen zunächst keine Ursachen
näher benannt werden. Frau Dr. Staib-Sebler weist hier auf die Reaktivierung von Traumata hin, die bei älteren Menschen auftreten, die beispielsweise eine traumatische Kriegserfahrung verdrängt haben. Zugleich betrifft es ebenso Menschen jeden Alters, die in ihrer Lebensgeschichte ein Trauma erlebt haben, wie z.B. Mißbrauch, das bestätigen alle Fachfrauen des Teams.
Dies zu erkennen und sensibel darauf einzugehen, ist ebenfalls eine der anspruchsvollen Aufgaben des psychoonkologischen Dienstes. Das Angebot der Abteilung umfasst begleitende Gespräche zu den jeweiligen Behandlungsschritten sowie Empfehlungen zum besseren Umgang mit der Erkrankung. Die Gespräche bringen Transparenz in das Leben der Betroffenen und lehren diese, mit ihren Kräften besser zu haushalten, sich zu stabilisieren und ihre innere Balance wiederzugewinnen. Generell ist das Ziel, neue Lebensperspektiven – mit der Diagnose ‚Krebs‘ – zu entwickeln. Das heißt nicht immer Heilung vom Krebs, sondern kann ebenfalls bedeuten, dass offen und einfühlsam über eine palliative Begleitung gesprochen wird. Frau Schulmerich, im Team mit dieser Aufgabe betraut, weiß, dass dies nicht allein nur negativ ist. Es geht hier in erster Linie darum, die verbleibende Zeit wertzuschätzen, bewusst jeden Tag wahrzunehmen und das eigene Schicksal anzuerkennen. Gefühle wie Wut und Aggression kommen durchaus vor, dies sind Emotionen, welche die drei Expertinnen akzeptieren und einzuordnen wissen.
„Man darf es nicht persönlich nehmen, sondern muss professionell bleiben, nur so können wir den Erkrankten helfen“, darüber sind sich alle einig. Dem Team vom Psychoonkologischen Dienst steht selbst regelmäßig eine Supervision zur Verfügung, um ihre Arbeit zu reflektieren. Doch viel Kraft und Energie bekommen Frau Dr. Staib-Sebler, Frau Dr. Römer, Frau Klee und Frau Schulmerich von den Patientinnen, Patienten und Angehörigen selbst. Die bedanken sich regelmäßig herzlich, zum Beispiel dafür „mal wieder Durchatmen zu können“. Auch wenn Kranke sterben, haben die fachlichen Begleiterinnen ebenso Wertschätzung erhalten, gerade weil es für alle Betroffenen wichtig war, dass die Krankheit „sehr gut begleitet wurde“ bzw. „es trotz allem gut gelaufen ist“. Ein Feedback, das den Sinn dieser hochsensiblen Arbeit noch einmal deutlich macht.
Das Gespräch mit den drei Fachfrauen war sehr beeindruckend und hat einmal mehr gezeigt, wie unerlässlich diese Arbeit geworden ist. Als recht junge Disziplin besitzt die Psychoonkologie kein sogenanntes „hartes Kriterium“, hat aber nachweisbare positive
Auswirkungen und Effekte. Der offene Umgang mit der Erkrankung sowie die Einbeziehung des gesamten Umfeldes trägt maßgeblich dazu bei, eine Krebserkrankung nicht zu tabuisieren. Wir lernen zudem, dass unser Leben nicht en detail plan- und kontrollierbar ist.
Wenn wir dies anerkennen, fällt es uns leichter, Krankheiten nicht zu dämonisieren, sondern als Teil unseres Lebens zu begreifen.

Das freie Bildarchiv für Naturschutz

Morning dew in spider web. Brandenburg, Germany. © Daniel Rosengren

Brilliante Fotos erzeugen Emotionen und Empathie – gerade im Naturschutz ist das eine Tatsache. Daher sind erstklassige Natur- und Tierbilder – aber auch Fotos, welche die vielen Facetten der praktischen Arbeit im Naturschutz zeigen – elementar, wenn wir Menschen für den Schutz von Wildnis oder etwas sperrige Themen wie biologische Vielfalt gewinnen wollen. Das freie Bildarchiv ermöglicht Einrichtungen aus Naturschutz und Wissenschaft, erstklassiges Material kostenfrei zu nutzen und zu kommunizieren. Hierbei ist die Intention, vor allem Frankfurter Institutionen wie den Zoo Frankfurt, „BioFrankfurt“ oder den Naturschutzbotschaftern Bildmaterial zur Verfügung stellen zu können. Die Dr. Marschner-Stiftung freut sich, dieses innovative Projekt der Zoologischen Gesellschaft in Frankfurt zu fördern und zeigt Ihnen exklusiv erste Fotos des freien Bildarchivs für Naturschutz.
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Bei dem Bildarchiv für Naturschutz geht es nicht nur um qualitativ hochwertige Bilder per se, sondern vor allem um solche, die in der Bildgestaltung eine aktuelle fotografische Ästhetik widergeben. Bei kleineren Naturschutzorganisationen, Nationalparks und Schutzgebieten oder wissenschaftlichen Einrichtungen fehlen oftmals die finanziellen Mittel, gutes Bildmaterial zu kaufen. Dank der Förderung durch die Dr. Marschner-Stiftung wird es bald möglich sein, hochwertiges Material online für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung zu stellen.

200 Jahre Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung – wir gratulieren!

© Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum.

Der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft wurde die bedeutende Bernsteinsammlung „Jörg Wunderlich“ zum Kauf angeboten. Mit Hilfe einer Großspende der Dr. Marschner-Stiftung hat die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft 2008 die Möglichkeit erhalten, den größten Teil der Bernsteinsammlung „Jörg Wunderlich“ zu erwerben. Diese Bernsteinsammlung genießt naturwissenschaftlichen Weltrang. Es handelt sich um die weltweit umfangreichste und diverseste Sammlung fossiler Spinnen aus 50 Familien mit Beutetieren, Parasiten und Häutungsresten sowie Teilen von Fangnetzen eingeschlossen in Bernstein.

Copyright aller Fotos der obigen Bildergalerie: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum

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In der Sammlung sind unter anderem 200 Holotypen enthalten, insbesondere fossile Erstnachweise verschiedener Familien, zahlreiche Gattungstypen und Typen erstmals beschriebener Unterfamilien. Teile der Sammlung „Jörg Wunderlich“ werden im Senckenbergmuseum einem breiten Publikum vorgestellt. Die Sammlungen des Forschungsinstituts Senckenberg werden durch diese wertvolle Neuerwerbung international bedeutender. Wissenschaftler aus dem In- und Ausland werden an diesen Kulturgütern Jahrzehnte forschen können. Der besondere Wert für die Wissenschaft ergibt sich meist aus dem Unikatcharakter der einzelnen Fossilien. Teilweise wenige, teilweise mehrere Dutzend Millionen Jahre alt, geben sie Einblick in vergangene Welten und vermehren das Verständnis auch um die Verwandtschaftsverhältnisse, Paläontologie und Biologie heutiger Tiere und Pflanzen.